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Die Marktschellenberger Trachtlerjugend rief die Gemeinde zur gentechnikfreien Anbau- und Fütterungszone aus.
Die Gemeinde Marktschellenberg hat sich zur ersten gentechnikfreien Anbau- und Fütterungszone im Berchtesgadener Land ausgerufen. Von 94 Viehbauern haben 91 ihre Unterschrift abgegeben und erklären damit freiwillig den Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut und Tierfutter. Da Bürgermeister Stefan Sunkler aus formalrechtlichen Gründen den Ausruf nicht selbst durchführen konnte, übernahm die Marktschellenberger Trachtlerjugend diese Aufgabe.
»In Schellenberg wird gentechnikfrei gefüttert. In Schellenberg wird gentechnikfrei angebaut. Darum erklären wir Schellenberg als gentechnikfreie Anbau- und Fütterungsregion. Dass des owei so beibt, für a gsundes Leben, des wünschn wir uns heit.« Sieben Buben und sieben Mädchen standen auf der Saalbühne im Gasthof »Forelle« und lasen den Text mit vollem Einsatz von ihren kleinen Handzetteln ab. Dafür ernteten sie vom Publikum ordentlich Applaus.
Stefan Angerer von der »Zivil Courage Berchtesgadener Land« und Ortsbäuerin Rosemarie Stangassinger hatten zur Veranstaltung geladen und begrüßten in erster Linie zahlreiche Marktschellenberger Bäuerinnen und Bauern. Landrat Georg Grabner ließ sich entschuldigen, ebenfalls Bürgermeister der Nachbargemeinden. Gemeindeoberhaupt Stefan Sunkler und einige Gemeinderäte waren »in Zivil« gekommen. »Mir fehlt die Zuständigkeit, deswegen konnte ich den Ausruf nicht selbst übernehmen«, bedauerte er. »Es gab sogar eine entsprechende Anordnung aus dem Innenministerium«. Als privater Bürger der Gemeinde stehe er voll hinter der Aktion und dankte allen, die dafür gesorgt haben, dass die Unterschriften so schnell zusammengetragen werden konnten. »Ganz besonders der Frauenpower unserer Bäuerinnen«. Aus den Händen von Rosemarie Stangassinger übernahm Sunkler die Unterschriftenliste und versprach, sie im Rathaus zu verwahren.
Stefan Angerer war die Freude ins Gesicht geschrieben.
»Wir kämpfen nicht mehr alleine, es werden immer mehr«. Das sei ein gutes Gefühl. Nachdem sich die Arbeitsgruppe »Zivil Courage BGL« vor zwei Jahren gegründet hatte, habe es zunächst reges Interesse am Thema gegeben, erinnerte Angerer. »Das ließ dann zwischendurch leider stark nach und ich habe mich schon gefragt, was wir falsch machen«. Als sich dann Ortsbäuerin Stangassinger einklinkte, sei alles schnell wieder aufwärts gegangen. Innerhalb von vier bis fünf Wochen haben 91 von 94 Viehbauern ihre Unterschrift gegeben. Damit sei das Ziel erreicht gewesen und man entschloss sich, die Gemeinde als gentechnikfreie Anbau- und Fütterungsregion auszurufen.
Der Geschäftsführer des Bauernverbandes aus Traunstein, Reinhard Lampoltshammer, lobte das Engagement. Er, der ebenfalls voll hinter der Sache stehe, bedauert oft die Spannung zwischen Befürwortern und Gegnern. »Wir Bauern müssen alle an einem Strang ziehen«. Das betonte auch Gela Pointner von der »Zivil Courage BGL«. »Es geht nur miteinander«.
Bericht kb: Berchtesgadener Anzeiger- Montag 11. Mai 2009/ Foto´s: Franz Heger