125 Jahre Musikkapelle Marktschellenberg
Marktschellenberg 19./20. Juni 2010
Voller Stolz blickt die Musikkapelle Marktschellenberg auf 125 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Nach Aufzeichnungen von Bartholomäus Dufter nahm die Kapelle im Herbst des Jahres 1885 ihren Anfang, als sechs junge Marktschellenberger Burschen beschlossen, gemeinsam zu Musizieren. Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung wuchs die Kapelle auf elf Mann an. So stand der musikalischen Gestaltung von Hochzeiten und Bällen bereits in den Gründerjahren nichts mehr im Weg. Ihr 125-jähriges Bestehen feierten die Marktschellenberger Musikantinnen und Musikanten gebührend am Samstag und Sonntag, 26. und 27. Juni, im Festzelt in Marktschellenberg.
Entscheidend zur Entwicklung des Vereins trug ab 1898 Adolf Dufter bei: Der Flügelhornist und Es-Klarinettist hielt 54 Jahre den Dirigentenstab in der Hand. Dufter leitete bis zu seinem Tod nicht nur die Musikkapelle, sondern brachten auch dem Nachwuchs in jahrelangem Bemühen das Musizieren bei. Zudem schrieb er unzählige Märsche, Ouvertüren, Walzer und Potpourris und arrangierte Stücke für die kleine Besetzung. Darüber hinaus hat die heutige Ramsauer Musikkapelle ihr Bestehen dem langjährigen Marktschellenberger Kapellmeister zu verdanken: 1909 gründete er in Ramsau die Kapelle und fuhr fleißig mit der Bahn von Marktschellenberg nach Berchtesgaden und weiter mit dem Fuhrwerk nach Ramsau zu den Proben. Eine von ihm im Jahr 1922 etablierte Kapelle in Bischofswiesen war im Gegenzug zu Ramsau jedoch nur von kurzer Dauer: Nach sechs Jahren löste sich die Bischofswieser Blasmusikanten wieder auf. Ein absoluter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte der Musikkapelle Marktschellenberg war für die damaligen Verhältnisse eine Reise nach Berlin im September 1936. Zusammen mit der Schuhplattlerjugendgruppe sowie der Singschule Marktschellenberg fuhren die Musiker zur 13. Großen Deutschen Funkausstellung. Sowohl die musikalische Umrahmung von verschiedenen Veranstaltungen wie auch ein Auftritt, welcher im Deutschen Fernsehen live übertragen wurde, wurden von den Marktschellenberger Musikanten absolviert.
Nur drei Jahre später sollte der Idealismus der Marktschellenberger und die große Freude an der Blasmusik unterbrochen werden: In einer Probe im August 1939 überbrachte der damalige Gemeinde-sekretär Max Gradinger einigen Musikanten ihre Stellungsbefehle. Der Zweite Weltkrieg stand vor der Tür. Für die nächsten sechs Jahre wurde es still um die Musikkapelle Marktschellenberg.
Erst im Herbst 1945 nahm Adolf Dufter wieder die Proben im Weißbachlehen auf. Und ein nächstes musikalisches Großereignis ließ nicht lange auf sich warten: Am 29. August 1948 feierte die Kapelle gebührend das 50-jährige Kapellmeisterjubiläum von Adolf Dufter. Vier weitere Jahre als Dirigent waren dem Marktschellenberger noch beschieden, ehe der passionierte Musikant am 22. September 1952 im Alter von 76 Jahren verstarb. Die nächste Ära der Musikkapelle Marktschellenberg wurde mit Siegfried Stocker als Kapellmeister im Jahr 1965 eingeleitet. 35 Jahre spielten die Musikanten unter seinem Kommando, ab 2000 folgte eine neunjährige Pause. Erst im letzten Jahr nahm Stocker wieder den Dirigentenstab in die Hand und steht seitdem als Ehrenkapellmeister der Marktschellenberger Bläser wieder an der Spitze.
Zu den Höhepunkten im Vereinsjahr gehören vor allem die jährlich wiederkehrenden Kirchen- und Volksfeste: Egal ob Fronleichnam, Erntedank, das Annafest in Ettenberg oder das Florianiamt der Freiwilligen Feuerwehr am Vorabend von Christi Himmelfahrt sowie der Schellenberger Kirtag - die Musikkapelle unterstützt stets die traditionellen Prozessionen und Festlichkeiten der Gemeinde. Aber auch auf Hochzeiten und bei Standkonzerten sowie bei den traditionellen Bergmessen auf der »Hochlack« vor der Schellenberger Eishöhle und auf dem Pfaffenkegel oberhalb des Stahlhauses sind die Musikanten vertreten.
Seit mittlerweile über 50 Jahren erhält der Verein tatkräftige Unterstützung durch den Trommelzug des Fronleichnamsschützenvereins. Die derzeit 19 Trommler marschieren unter dem Kommando von Wolfgang Lochner, welcher seit 1999 das Amt des Tambourmajors inne hat. Bericht: Caroline Irlinger- Berchtesgadener Anzeiger





